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Palästina: Der Krieg gegen die Moscheen hat begonnen
Gebet und Streik im Dienst der Strategie der Spannung ?

Während mitten in den anhaltenden Feindseligkeiten in Gaza, seit der Niederlage von Fatah vor drei Monaten, die Bevölkerung sich wenigstens über die Erhaltung einer relativen Sicherheit durch die Ordnungskräfte der Hamas freuen konnte, haben Präsident Mahmoud Abbas und Premierminister Salam Fayyad begonnen die Popularität der Hamas zu bekämpfen und sie von den Gläubigen zu isolieren, indem sie dieses Mal einen “Krieg” gegen die Moscheen anfachen.

14. September 2007 | - : Gaza Palästina Widerstand Solidarität

Steine werfende Palästinenser
während der Konfrontationen
nach dem Freitagsgebet
zwischen Hamas und Fatah
am 7. September 2007

(rafahtoday.org)

Fatah hat somit im Gazastreifen seine Anhänger ermutigt die Gebetsveranstaltungen im Freien zu nutzen, um Verwirrung zu verbreiten und Konfrontationen mit Hamas herauszufordern. Kurz vor dem Monat Ramadan ist der ausgewählte Moment gefährlich geeignet, um diese neue Strategie der Spannung zu initiieren.

Im Westjordanland hat Mahmoud Abbas ebenfalls versucht den Einfluss der Hamas in den Moscheen zu reduzieren. Der Minister für religiöse Angelegenheiten, Jamal Bawatneh, hat bekannt gegeben, dass jeder Imam oder Gebetsleiter, der “politische, persönliche oder parteiische Ideen fördert, abberufen oder ersetzt wird“. Ist dieses kein Zeichen der Instrumentalisierung zum Krieg, der von den Großmächten gegen den Islam geführt wird, um jegliche Opposition endlich zu beenden?

Die aus Beit Hanoun berichtende junge Person möchte wegen dieses einschüchternden Klimas ihre Anonymität bewahren. Fatah ist weit mehr daran interessiert die Gegner seiner Politik, sich den Großmächten zu unterwerfen, zu verfolgen und Gewalt und Zwietracht zwischen den Palästinensern zu säen, als ihr Leiden zu mindern.

Silvia Cattori: Die Medien haben über die Gewalttaten viel berichtet, die sich seit Mitte August 2007 im Gazastreifen, zum Zeitpunkt der Gebete im Freien ereignen, die von Fatah, der Partei des Präsidenten Abbas, organisiert wurden. Warum haben die Hamas-Behörden beschlossen sie am 7. September zu verbieten, nachdem diese Gebetsversammlungen während zwei Freitagen erlaubt waren?

Es erwies sich, dass diese Gebetsversammlungen, die im Freien stattfanden, ein Vorwand waren, um zu Zwischenfällen aufzuhetzen, um die Bevölkerung, die schon gewaltig unter der Blockade leidet, zu teilen und zur Verzweiflung zu bringen.

Es hat vor vier Wochen begonnen als die Fatah-Führer ihre ehemaligen Angestellten (arbeitslos, aber doch noch Angestellte) gefragt haben, am Freitag nicht in den Moscheen beten zu gehen, sondern sich von nun an nur zum Gebet im Freien, auf der Strasse und auf den Plätzen, zu versammeln.

Hamas hatte ihnen während zweier Freitage die Genehmigung erteilt außerhalb der Moschee zu beten. Ein paar hundert Personen fingen aber jedes Mal an, gleich nach Gebetsende, Kraftfahrzeuge zu beschädigen, Mülleimer umzuwerfen, Reifen zu verbrennen, die Auslagen und die Schaufenster beim Vorbeigehen zu zerstören.

Das Ziel der Organisatoren war klar: Es handelte sich nicht um Gottergebenheit, sondern diese Gebetsversammlungen im Freien sollten dazu dienen die Gläubigen zu stigmatisieren, die in der Moschee beten, um Unruhen zu stiften und um danach die Eingriffe der Sicherheitskräfte der Hamas auszunutzen und die Idee zu verbreiten, dass Hamas den Menschen die grundlegenden Freiheiten entzieht.

Am Freitag, dem 7. September, haben die Hamas-Behörden es abgelehnt ihnen die Genehmigung zu erteilen im Freien zu beten, jede öffentliche Gebetsversammlung auf der Straße verboten und Fatah angeklagt diese Versammlungen zu nutzen, um Unruhen zu stiften.

Die Fatah-Führungskräfte haben ihre Anhänger aufgerufen, trotzdem im Freien zu beten, obwohl die Genehmigung von der Hamas verweigert worden war. Das Ziel war deutlich: Zusammenstöße mit den Sicherheitskräften der Hamas zu provozieren. Und es geschah genau so: Die Einsatzkräfte der Hamas-Polizei haben sie mit Schlagstöcken zerstreut und es gab Verletzte.

Silvia Cattori: Ist diese Forderung, außerhalb der Moscheen beten zu können, nicht ungewohnt?

Das ist etwas ganz Neues. Es ist überhaupt kein Brauch auf öffentlichen Plätzen und auf der Straße zu beten. Das Gebet hat immer innerhalb der Moscheen stattgefunden, wie die Katholiken in die Kirchen gehen, gehen wir in die Moschee zum Beten und nicht ins Freie. Es gibt nur drei Gebete, die traditionell im Freien stattfinden: Das Ramadan Bittgebet, das Aïd Bittgebet und das Bittgebet für Regen. Fatah hat zweifellos diese Art und Weise gewählt, um Hamas zu konfrontieren, da der Moment des Gebets extrem empfänglich ist.

Fatah ist in dem unerbittlichen Machtkampf dabei den Islam, das religiöse Empfinden, zu instrumentalisieren, um unsere Gesellschaft in zwei Parteien zu teilen. Fatah will den Hass zwischen nicht praktizierenden Muslimen und praktizierenden Muslimen schüren und will die Menschen dazu drängen sich gegen Hamas zu erheben. Hamas, die einzige politische Kraft, die fähig ist sich den Zugeständnissen der Fatah an den Besatzer zu widersetzen.

Silvia Cattori: Jene die also sagen, dass “die Straße der Ort des Gebets und des Einwandes gegen den Gewaltstreich der Hamas gewesen sei und gegen deren steigenden Machteinfluss über alle Räderwerke der Gesellschaft” und “dass es eine Protestbewegung der treuen Fatah-Anhängern gewesen sei, die gehindert wurden “ sich in die Moscheen zu begeben, die total unter Kontrolle der Islamisten seien”, [1] geben nicht das wieder, was sich in Wirklichkeit ereignet?

Diejenigen, die so die Tatsachen darstellen, schenken der Fatah- Propaganda und denjenigen, die sich den Hamas- Abgeordneten auf illegaler Art und Weise widersetzen, Glauben. Es ist keine Volksbewegung. Es sind Leute, die einen Lohn dafür erhalten; einen Lohn der von den Behörden aus Ramallah gezahlt wird.

Silvia Cattori: Sind diese Fatah-Anhägen, die die Sicherheitskräfte der Hamas im Gazastreifen provozieren, zahlreich?

Nein, sie sind nicht zahlreich: Einige hunderte im Norden, einige hunderte in Gaza-Stadt (im Zentrum vom Gazastreifen) und einige hundert im Süden. Wenn sie sich auf der Straße mobilisieren sind sie nicht mehr als 1500. Aber sie machen von sich reden, denn sie werden von Abou Mazen (Mahmoud Abbas) unterstützt, der falsche Erklärungen abgibt, um die Hamas- Behörden in den Schmutz zu ziehen, die sofort weltweit von den Medien verbreitet werden. Die durch Fatah kontrollierten Medien und die Medien im Ausland zeigen immer nur die Interventionen der Einsatzkräfte der Hamas- Polizei, aber sie zeigen nicht die von Fatah-Anhängern verursachten Schäden, die die Hamas- Behörden dazu veranlasst haben, sie niederzuschlagen.

Diejenigen, die diese Gebetsversammlungen organisiert haben, gehören zu denselben Banden, denen es bis jetzt nicht gelungen ist die Hamas-Behörden aufzulösen. Banden, vor denen wir Angst haben, die von Abou Mazen und von Dahlan dazu benutzt werden, um die Kontrolle über den Gazastreifen wieder zu gewinnen. Sie werden von den Geheimdiensten von Abou Mazen, von der CIA und vom Mossad manipuliert. Ihre Zielsetzung hat sich nicht geändert: Sie wollen Hamas führerlos machen. Es ist für sie weiterhin notwendig Gelegenheiten zu schaffen, um Hamas zu stigmatisieren und um die öffentliche Meinung gegen Hamas aufzubringen.

Silvia Cattori: Wird es dem Hass gelingen sie in interne Kämpfe zu verwickeln?

Es ist ein vorprogrammierter Hass. Diese Leute erhalten einen Lohn von Fatah, während mehr als 50% der Bevölkerung kein Einkommen hat. Es sind frustrierte, unwissende Menschen, die nicht die Intelligenz besitzen, um zu verstehen, dass sie manipuliert werden, die nicht begreifen, dass sie nicht ihren Interessen und denen ihres Volkes nützlich sind, sondern den Interessen der Machthaber, der Kollaborateure Israels.

Silvia Cattori: War dieser Streik ein Erfolg?

Dieser Streik war kein Erfolg. Die Läden und Märkte waren nicht geschlossen. Er war bei weitem kein Erfolg, außer in den Schulen und den Krankenhäusern, wo die Direktoren und die Pförtner im generellen Fatah-Anhänger sind. Wir haben unsere Kinder in die Schule geschickt, aber sie wurden von den Pförtnern, die alle Eingänge geschlossen hatten, nach Hause zurückschickt.

Silvia Cattori: In “Le Monde”, einer französischen Tageszeitung, wurde geschrieben, dass „Gaza am Sonntag, den 9. September, durch einen Generalstreik gelähmt war” [2] Wem sollte man glauben?

Das stimmt nicht. Niemand kann von einem Generalstreik sprechen, wenn es sich um eine Demonstration handelt, die von Machthabern organisiert wurde, die die Leute kaufen können. Zuerst haben sie sie ausgehungert und danach bezahlen sie jene, um ihr eigenes Volk zu bekämpfen. Es ist eine einseitige Anwendung des Streiks. Abou Mazen war der Anstifter dieses Streiks. Er hat wiederholt falsche Erklärungen abgegeben indem er sagte, dass Hamas die grundlegenden Freiheiten abschaffen wolle. Abou Mazen will Gaza destabilisieren indem er die Bewohner durch die Blockade aushungert und danach denjenigen, die die Gebetsversammlungen im Freien organisieren, Lohn zahlt. Wenn die Leute ihren Lohn bekommen wollen müssen sie Handlungen ausführen, die die Hamas destabilisieren.

Silvia Cattori

Übersetzung aus dem Französischen: Monica Hostettler

Französische Fassung:
http://www.silviacattori.net/article312.html



[1Michel Bôle- Richard in der französischen Tageszeitung " Le Monde" vom 10.09.07

[2Michel Bôle- Richard in der französischen Tageszeitung ". Le Monde" vom 10.09.07!?