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Strategie der Spannung
Was hat sich tatsächlich in Gaza ereignet? Eine andere Version

Wer ist verantwortlich für die sieben Toten und fast hundert Verletzte* unter den Menschen, die sich bei der Gedenkveranstaltung zum dritten Todestag von Yasser Arafat dort befanden, um ihm ihre aufrichtige Anerkennung entgegenzubringen?
Sind die Palästinenser aus Gaza, die schon unschuldige Opfer der furchtbaren Blockade sind, die Israel ihnen verhängt, nicht ebenfalls Opfer einer «Strategie der Spannung» und Geisel der palästinensischen Behörden, die mit dem Besatzer kollaborieren?

13. November 2007 | - : Gaza Naher Osten Palästina

Was geschah wirklich am 12.November in Gaza?

Für Präsident Abbas und Mohammed Dahlan - der Mann, hinter dem der Mossad und die CIA stehen und der mehr als jeder andere Korruption und Gewalt verkörpert- sind diese Tote und Verletzte « gehässige Verbrechen» die von der Hamas begangen wurden, weil die Hamas, gemäß Abbas und Dahlan «die Demonstranten verhindern wollte sich zu dieser Kundgebung zu begeben ».

Die Medien haben im generellen die offizielle Version von der Fatah ohne Überprüfung wiederholt, was nicht überraschend erscheint.

Unsere Ermittlungen, die wir bei Zeugen unternommen haben, die weder zur einen noch zur anderen Seite gehören, und die verständlicherweise anonym bleiben wollen, heben hervor, dass der Ursprung des Gewaltausbruchs, der so viele Opfer brachte, nicht die Hamas-Sicherheitskräfte waren. Es begann zuerst mit Schüssen der bewaffneten Fatah-Aktivisten, die drei Sicherheitsmitglieder von der Hamas töteten, darunter ein Offizier, dem in den Kopf geschossen wurde.

Erstens, die Sicherheitskräfte der Hamas, die für die Sicherheit der Bevölkerung von Gaza zuständig sind, wurden darüber informiert, dass bewaffnete Fatahmitglieder sich darauf vorbereitet haben, Unruhe zu stiften. Sie installierten Kontrollstellen, um die bewaffneten Leute zu überwachen. Die Menschenmenge wäre zu keinem Zeitpunkt gehindert worden sich in die Gaza-Stadt zu begeben.

Zweitens, unter den Demonstranten gab es bewaffnete Provokateure. Die ersten Schüsse auf die Hamas-Sicherheitskräfte wurden aus der Waffe eines Fatah-Mitgliedes abgeschossen, der sich auf dem Dach der Al-Azhar Universität befand. Zwischen den zwei Gruppen brachen darauf hin, die Auseinandersetzungen aus. Die Hamas-Sicherheitskräfte, die unter Beschuss standen, durch Steinwürfe angegriffen wurden, und mit dem Ruf «Shia » beleidigt wurden, (Shia bedeut Schiiten, obwohl sie Sunniten sind und auch «dem Iran verkauft», was ebenfalls falsch ist), haben gekontert.

Drittens, es waren nicht «mehr als eine Million Demonstranten », wie die offiziellen Medien von Mahmoud Abbas es behaupteten. Es waren zwischen 100 000-200 000 Personen, was schon viel ist.

Es scheint so, als wäre die Version, laut der es Provokateure von der Fatah gewesen waren, die diese Auseinandersetzungen, die den Tod von Menschen zur Folge hatten und andere angestiftet hatten mit der Absicht Unruhen zu schaffen, um die Behörden von der Hamas zu diskreditieren und sie zu schwächen, plausible ist.

Warum werden systematisch die Anhänger von der Hamas verantwortlich gemacht - Partisanen, die ihrem Volk nur helfen wollen aus diesem Inferno zu entkommen, wobei es jedoch nicht möglich ist, da die Welt ihnen alle Wege sperrt – wenn es nicht das Ziel ist, sie zur Kapitulation zu zwingen?

Sollten wir nicht zuerst den Behörden von Ramallah die Schuld geben, die von Mahmoud Abbas geleitet werden und eng mit dem Besatzer zusammenarbeiten, um die Lebensbedingungen der Einwohner aus Gaza, die von Israel eingesperrt werden, zu verhärten?

Es ist kein Geheimnis mehr, dass seit der Amtseinsetzung ihrer Regierung die Hamas-Behörden, den organisierten Sabotageakten, die von den Mossad und den CIA Geheimdiensten und dank der Kollaboration von Mohammed Dahlan und seinen Todesschwadronen ausgeführt werden, trotzen müssen.

Seit der Niederlage von Dahlan sind es die Geheimdienste von Mahmoud Abbas, die von Herr Terawi geleitet werden, der enge Beziehungen mit den israelischen Geheimdiensten von Shin Beth unterhält, die verantwortlich dafür sind, die «Strategie der Spannung» einzuleiten, d.h. Zwischenfälle und kriminelle Sabotagehandlungen zu organisieren, um endlich mit den Hamas-Behörden Schluss zu machen.

Die skandierten Wörter « Mörder Schiiten» sind keine spontanen Rufe. Dieser Slogan ist in diesen letzten Monaten von Fatah-Anhängern ausgedacht worden und wird wiederholt benutzt. Ein Slogan, der darauf abzielt die beiden religiösen Strömungen gegeneinander aufzuwiegeln und die Propaganda, aus Israel, nur wiederholt.

Es ist der Iran, den Israel seit einigen Jahren, wie den Irak, unterdrückt sehen will. « Shia » zu sagen ist in Gaza, wo der muslimische Widerstand, die Würde von diesem Volk verkörpert, das sich nicht unterwerfen lässt, die schlimmste Beleidigung.

«Shia» zu sagen bedeutet «Iraner». Die Palästinenser kämpfen für ihre Nation und für nichts Anderes. Jede vernünftige Person weiß genau, dass die Hamas eine unabhängige Bewegung des palästinensischen Widerstandes ist.

Abbas und seine Freunde, die in Israel an der Macht sind versuchen eine Spaltung durchzusetzen, die auf dem beruht was vorher nie existiert hat. Der Irak ist ein deutliches Beispiel dafür, wie man Religion zu politischen Zwecken benutzt, um die arabischen Bürger zu spalten und sie gegeneinander aufzuhetzen.

Sie wollen glaubhaft machen, dass die Hamas, die eine nationale Bewegung ist, eine Organisation sei, welche wie öffentlich gesagt wird, «ein Verräter [ist], der mit dem Iran verbündet ist», das ist unerhört!

Diese Propaganda kann jedoch auf einige Einfluss haben. Zum Beispiel auf jene, die wenig Bildung besitzen oder die durch die Schwierigkeiten, aufgrund der Blockade geschwächt sind, und die keinen Ausweg mehr finden, die jede Hoffnung in die Menschen und jede Kontrolle über ihr Schicksal verloren haben.

Vor dieser immensen Menschenmenge, die am 12. November auf die Gaza-Stadt zuströmte, ist die Fatah in Jubel ausgebrochen. Um welchen Sieg handelt es sich denn?

Dem Sieg des Starken über den Schwachen. Die Manipulation der schutzlosen Menschen durch die Staatsgewalt, die sie eigentlich beschützen sollte.

Es war nämlich überraschend, dass so viele Palästinenser sich unter dem Banner von jenen treffen, die heute mit Israel verbunden sind um das tägliche Leben der Bevölkerung von Gaza noch zu erschweren. Haben sie vergessen, dass ihre UNO-Vertreter eine Resolution des Sicherheitsrates blockiert haben, der ihre Leiden erleichtern wollte?

Man sollte das, was in Gaza im Gange ist richtig interpretieren.

Gaza wird weiterhin, nach all dem Schrecklichen, das man dort schon getan hat, leiden und bezahlen müssen, so lange bis es sich ergibt.

Wer sind denn diese Leute, die dem Aufruf von der Fatah, die in Ramallah an der Macht ist, gefolgt sind?

Es sind nicht wie früher jene, die durch ein gemeinsames Ideal motiviert waren, die am 12. November auf die Straße gingen.

Es sind verzweifelte Menschen, die in den meisten Fällen durch Hunger und Angst motiviert sind und die wegen den erdrückenden Schwierigkeiten, diesen Weg unternommen haben. Erschöpfte, entmutigte Menschen, voller Angst vor den israelischen Flugzeugen und vor der Zukunft.

Es sind Menschen, die sich nach einem annehmbaren Leben sehnen. Die Fatah-Führer verlangten von ihnen die Slogans zu rufen, wie « Shia », die keinen Zusammenhang mit der Wirklichkeit haben, denn in ihrem täglichen Leben gibt es nur Elend.

Unter ihnen gab es Zehntausende von Angestellten, die weiterhin ihr Gehalt von der Fatah erhalten, seitdem sie im Juni 2007 aufgaben, für die gewählten Hamas-Behörden zu arbeiten. Diese Abschwörung, gegen ein monatliches Gehalt, ist von den Fatah-Leuten, wie eine Ergebenheit zu ihrer Partei interpretiert worden. [1]

Es folgen nun einige Aussagen, die wir zusammengetragen haben:

«Die meisten dieser Leute, die ein Gehalt von der Fatah erhalten (die Gehälter werden von den Finanzierungen der EU genommen), fühlen sich gezwungen demonstrieren zu gehen, denn sie wollen nicht ihr Gehalt, welches von der Fatah-Partei, dank ihrer Ergebenheit, ausgezahlt wird, verlieren. Sie haben keine Lust, wie die meisten von uns zu enden, die innerhalb von einigen Monaten Schatten geworden sind, und die nicht mehr imstande sind, ihren Kindern ein anständiges Leben zu bieten»

«Wir haben den Sinn des Menschseins verloren. Wir fühlen uns nicht mehr wie normale Menschen. Wir haben Angst. Es ist sehr schmerzhaft festzustellen, was aus uns geworden ist, dass was Israel gewollt hat: wir sind enthumanisiert. Ich weiß nicht, ob Sie es wirklich verstehen können, was das bedeutet »

«Früher, demonstrierten die Leute normalerweise, um den Besatzern, dem Unterdrücker, ihre Opposition zu zeigen. Heute gehen wir um unseren Verrat zu demonstrieren, damit unsere Henker, die Gaza ersticken und uns hungern lassen, uns belohnen. Wir haben unsere Würde verloren, weil wir zu viel Angst vor der Zukunft haben, weil wir zu viel Angst davor haben, wie unser Nachbar zu enden, dem man sein Gehalt gesperrt hat ».

«Diejenigen die Kranke in ihren Familien haben, die wegen Mangel an Medikamenten zum Tode verurteilt sind, fühlen sich wirklich verloren. Ich bin mir sicher, dass wenn der Grenzübergang von Rafah geöffnet würde, die Leute in Massen aus diesem abscheulichen Gefängnis fliehen würden»

«Ich bin überzeugt, dass wenn die Leute ein würdiges Leben hätten, ein Leben das ihnen ermöglichen würde, ein Gehalt ohne Bedingungen zu erhalten, sie niemals massenweise zu dieser, von der Fatah organisierten, Prozession gegangen wären. Die Fatah hätte somit nie aussagen können, dass es sich um «ein Plebiszit», handelt. Diese Leute haben sich der Fatah angeschlossen, weil die Fatah ihnen ein Gehalt und Schutz sichert. Ich bin weder von der Fatah noch von der Hamas; ich erhalte von niemandem etwas. Wie lange kann ich noch weiterleben, ohne der Fatah die Hand zu reichen?»

«Ich bin überzeugt, dass wenn die Hamas, die Möglichkeit hätte denjenigen, die im drastischsten Elend leben etwas Geld zu geben, dies getan hätte. Wenn die Hamas, die Möglichkeit hätte ihnen Arbeit zugeben, hätten diese Menschen nicht ihre Würde verloren und die Fatah hätte keine Unterstützung bekommen. Die Menschen haben schon viel zu viel unter den Fatah-Leuten gelitten. Die Unterstützung, die Sie heute gesehen haben, wird nicht andauern. Die Menschen sind zu genüge von der Fatah-Partei, in eine Falle gelockt worden, und haben genug davon, sich unter Erpressung, als Geiseln zu fühlen»

«Wir werden weiterhin in Horror versinken müssen. Nach der Maskerade von Annapolis wird uns wahrscheinlich Ehud Barack, mit Unterstützung von Mahmoud Abbas, angreifen»

«Mein Herz blutet, wenn ich meinen Nachbar sehe, der zehn Kinder hat und eine kranke Frau. Mein Herz blutet, wenn ich ihn auf der Straße sehe. Man denkt er trägt viel Last. Mein Herz weint, wenn ich Menschen begegne, die gestern noch stolz, stark, unzähmbar waren und die jetzt immer mehr wie Schatten aussehen. Und ich sage mir, dass wenn es kein Wunder gibt, diese Menschen endgültig verloren sind »

Wer macht sich über die Kinder Sorgen, die die Hälfte der Bevölkerung von Gaza bilden, die in Familien leben, die aus Armut vernichtet sind?

« Sie sind sich bewusst über das was sich hier abspielt. Sie merken, dass etwas anormal ist. Aber sie können nicht wissen was sie noch erwarten wird. Wir sind für die Kinder traurig; ihre Zukunft ist sehr dunkel, die Jugendlichen studieren, beenden ihr Studium und dann sind sie arbeitslos, sie leiden daran, ihren Familien nicht helfen zu können»

Warum akzeptieren wir in unseren europäischen Ländern, diese von uns ausgeübte «Hunger» Erpressung gegen eine ausgeblutete Bevölkerung, die die Qual der erbarmungslosen militärischen Besatzung erleidet?

Sollen wir das akzeptieren?

Nichts ist einfacher als Menschen, die durch Boykottmaßnahmen zerstört wurden, die keinen «Schekel» (israelische Währung) in der Tasche haben und die nicht mehr wissen wie sie ihre Kinder ernähren und bekleiden können, wie sie ihre Miete sowie ihre Strom-und Erdgasrechnungen bezahlen können, dahin zu führen, jegliche Würde zu verlieren.

Nichts ist einfacher, als sie ganz allmählich dazu zu bringen sich untereinander wie Ratten zu bekämpfen, für ein Stück Brot und um der Katastrophe, die zynisch von der Weltgemeinschaft organisiert wird, zu entkommen.

Diese Menschen sind verzweifelt. In ihrer Verzweiflung können sie nicht verstehen, wie es möglich ist, dass die Menschheit ohne Reaktion verbleibt und sie auf diese Art und Weise allein lässt.

Silvia Cattori

* Die Zahl der Verletzten ist variabel: einige sprechen von 70, andere von 80 oder 130.

Übersetzung aus dem Französischen: Monica Hostettler

Französische Fassung:
http://www.silviacattori.net/article335.html



[140 000 Personen haben sich geweigert den Anordnungen von Abbas zu beugen, an dieser erniedrigenden Erpressung, Hamas zu boykottieren, teilzunehmen. Abbas hat sie bestraft indem er, im Juni 2007, ihre Gehälter sperrte.