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Israelische Kriegsverbrechen
Gaza: Jeder Palästinenser ist ein Ziel für die israelische Armee

Die Anzahl der Palästinenser die Opfer von Verhaftungen und von Hinrichtungen sind, nimmt in Gaza, wie auch im Westjordanland, ständig zu. Israel kann in aller Ruhe den totalen Krieg gegen Hamas erklären. Israel kann die UNO-Lastwagen verbieten, die den lebensnotwendigen Bedarf der Palästinenser nach Gaza transportieren, wo es an Medikamenten und an Wasser mangelt und wo die Bevölkerung am Rande der Hungersnot steht. Israel hat dafür die eifrige Unterstützung der korrumpierten Behörden aus Ramallah und die der Großmächte.

21. Januar 2008 | - : Gaza Israel Palästina


Gaza: Opfer des Massakers vom 15. Januar 2008 (Zeina Bilali)

Das Schicksal der Einwohner von Gaza und von Westjordanland ist seit November 2007 noch grauenhafter geworden. Die Situation hat sich seit der Kollusion zwischen den israelischen Geheimdiensten und dem Sicherheitsapparat von Herr Mahmoud Abbas dramatisch verschlimmert. Sie bespitzeln die palästinensischen Patrioten, die es nicht aufgeben dem Besatzer zu widerstehen und weisen den israelischen Militärgeheimdiensten den Weg, um sie ausfindig zu machen.

Die Großmächte sind Komplizen. Sie gewähren den palästinensischen Funktionären in Ramallah, die ihr Volk unterdrücken, ihre finanzielle und politische Unterstützung. Man kann sich die Fragen stellen warum die Diplomaten, die im Grunde, die Palästinenser im Ausland vertreten sollen, [1] nicht klar und deutlich die Tatsache anprangern, dass Herr Abbas und Herr Salam Fayyad, nicht ihr Volk schützen, sondern, im Gegenteil, den Besatzungskräften helfen das Volk zu verfolgen und zu liquidieren.

Es gibt keinen Zweifel: Der Krieg, der von Israel eröffnet wurde und der seit mehreren Wochen die ganze Bevölkerung von Gaza trifft, ist im Rahmen einer Kollaboration zwischen den israelischen Geheimdiensten und der illegitimen Regierung von Herr Abbas und Herr Fayyad programmiert worden.

Von den 2000 Führungskräften und Sympathisanten des Widerstands, die seit Mitte Juni inhaftiert wurden, wären mehr als 800 von den Fatah-Polizisten entführt worden.*
Die Sicherheitsdienste von Fatah, die von der CIA, mit der Bewilligung Israels, bewaffnet werden, würden in Koordination mit der israelischen Armee, Verhörungen unter Einsatz von Folter durchführen, um Informationen zu erzwingen, die die Mitglieder des Widerstands beschuldigen.

Ungefähr 200 Palästinenser wären in den letzten Monaten in Folge von Folteranwendung durch die Sicherheitsdienste von Herr Abbas ins Krankenhaus eingewiesen worden, während andere Häftlinge nach ihrer Befreiung den israelischen Soldaten ausgeliefert worden wären.

Um die Anfragen von Bush und Olmert zu erfüllen hatte Herr Fayyad, schon seit November 2007 die Massenverhaftungen von Hamas-Mitgliedern intensiviert und die Schließungen der Hilfsorganisationen von Hamas im Westjordanland veranlasst.
Die Intensivierung der Kollaboration von Herr Fayyad und Herr Abbas mit dem israelischen Besatzer ist das Ergebnis der Konferenz von Annapolis und den kurz danach erhaltenen Schenkungen, als Gegenleistung für ihre Unterwürfigkeit.

«Die Geberländer, die an der Konferenz von Paris teilgenommen haben(…) haben der palästinensischen Autonomiebehörde Finanzzuschüsse von siebeneinhalb Milliarden Dollar zugesagt. Zwei Milliarden mehr als sie verlangt hat. Diese Großzügigkeit ruft bei vielen, in Bezug auf den Preis den das palästinensische Volk dafür bezahlen muss, Zweifel und Befragungen hervor » schrieb Abdel Bari Atwan in einem Artikel mit dem Titel: «Milliarden, um den Widerstand zu liquidieren » [2]

Täglich erreichen uns durch die elektronischen Medien Bilder von zerfleischten Kindern. Aber in den großen Hauptmedien, die weitgehend der israelischen Propaganda unterworfen sind, werden diese Massaker entweder verschwiegen oder sie werden als Aktionen dargestellt, die auf gefährliche „Terroristen“ abzielen, gegen die Israel das „Recht hat, sich zu verteidigen“. Damit werden die Methoden Israels und die der Soldaten der israelischen Armee entschuldigt.

Wer sind die gefährlichen Terroristen? Die Hunderte von Leichen, die abscheulich verstümmelten Verletzten, Frauen und Kinder die in der Leichenhalle daliegen oder auf den Krankenhausbetten? Oder sind es die israelischen Piloten, die die Raketen auf eine Bevölkerung ohne Schutz abschießen?

Ein Zeuge des Massakers von Khan Younes vertraute uns Anfang Januar Folgendes an.
 [3]

Es war furchtbar. Die Opfer waren Zivilisten, darunter fünf Mitglieder der Familie von Karima Fayyad (nicht verwandt mit dem gleichnamigen Minister). Es gab keinen Grund die Menschen zu bombardieren, die sich in ihrem Haus befanden. Das war ein willkürliches Massaker. Die Flugzeuge und die Panzer greifen ununterbrochen Zivilisten an. Heute ist es Rafah und dann Beit Hanoun, Magazi, Betlayia: Sie fallen in ein Viertel nach dem anderen ein.

Seit mehreren Monaten ist die Taktik der Armee mit den Panzer- und Bulldozereinheiten einige Kilometer nach Gaza vorzurücken, sich den Wohnhäusern zu nähern. Dadurch werden die Polizeikräfte der Hamas gezwungen herauszukommen und auf sie zu zugehen. Es ist dann für die Drohnen und die Hubschrauber, die sie unterstützen, einfach alle Kämpfer zu massakrieren.
Silvia Cattori: In welchem Nervenzustand sind die Menschen nach diesen Massakern?
Die Menschen haben keine Nerven mehr. Das Einzige was ihnen übrig bleibt ist auszuharren bis sie mit ihrem Leben bezahlen müssen. Jeder Palästinenser aus Gaza steht auf der Zielscheibe.

Silvia Cattori: Überfliegen die Flugzeuge oft Gaza?

Täglich, die Leute leben in der Angst davor. Man weiß nie wo die Drohnen und die Hubschrauber angreifen werden. Die Leute sind terrorisiert; sie beten zu Gott und bitten Ihn nicht das nächste Ziel zu sein.

Silvia Cattori: Es gibt ebenfalls Widerstandskämpfer die getötet werden. Gibt es Agenten, die den Piloten zeigen, wo sie sich befinden?

Ja, ganz sicher.

Silvia Cattori: Die Chefs des Widerstands haben vor kurzem ihre Aktivisten ersucht, die Batterien aus den Handys zu entfernen, denn sonst verraten sie sich selbst. Es reicht also nicht die Handys abzustellen?

Wir wissen alle hier, dass die Piloten und ihre Abhördienste die Bewegungen der Leute über die Handys kontrollieren können, auch wenn sie abgestellt sind. Mit oder ohne Handys, um mit Genauigkeit auf ihr Ziel zu schießen, benötigen die Piloten Agenten, die hier unter uns in Gaza leben.

Silvia Cattori: Können die Leute von Gaza diese Palästinenser, die spionieren, identifizieren?

Sie wissen es nicht unbedingt mit Gewissheit, aber es gibt genug Palästinenser die verdächtigt werden mit dem Feind zu kollaborieren. Jemanden zu verdächtigen ist aber kein ausreichender Beweis.

Silvia Cattori: Hat es einen Sinn die israelischen Beschießungen zu erwidern? Handwerkliche Raketen abzuschießen, die militärisch gegen die israelischen Waffen, kein Gewicht haben? Israel kann die Palästinenser ohne Verlust massakrieren. Ist es nicht absurd bei diesem Missverhältnis zu kämpfen?

Ich missbillige das Abschießen dieser Raketen. Es wären 3500 auf Sderot abgeschossen worden, die einige Personen verletzt haben, eine Frau ist aus Angst gestorben. Diese Raketen dienen nur dazu Angst zu bereiten. Der Preis für jedes Abschießen von Raketen ist für die Menschen in Gaza katastrophal.

Die israelische Armee profitiert dann unseren Obstanbau, die Zitronenbäume und unsere letzten Olivenbäume dem Erdboden gleich zu machen und noch mehr Häuser zu zerstören. Natürlich profitiert die israelische Armee davon. Sie rechtfertigt ihre Massaker und sagt wir seien Terroristen, wir seien eine Drohung. Anschließend haben wir dann die Weltgemeinschaft gegen uns.

Silvia Cattori: Ist das die Meinung über das Abschießen von Raketen der Einwohner von Gaza?

Es herrschen gemischte Gefühle. Manchmal, nach all den Massakern und Demütigungen und in ihrer Würde verletzt, erwarten die Bewohner von Gaza eine Reaktion vom Widerstand, eine Revanche für ihr Leid, für ihre Toten.

Was kann der Widerstand unternehmen, um ihnen zu zeigen dass er nicht endlos das Volk massakrieren lässt, ohne zu reagieren? Er antwortet mit dem Abschießen von Raketen. Sie wissen nur zu gut, dass sie kein Gegengewicht sind und es nichts ändern wird. Ihre einzige Art zu kontern sind die Raketen, oder den Panzern entgegenzugehen um sie zu verhindern vorzurücken.

Silvia Cattori: Seit einigen Wochen behauptet Israel, dass die aktiven Mitglieder eine stärkere Abwehrkraft haben, große Mengen von Sprengstoff und Waffen. Ist das korrekt?

Hier haben die Menschen nichts. Ihre Stärke liegt nicht in den Waffen. Sie liegt in der Willensstärke der aktiven Mitglieder unsere besetzten Gebiete zu befreien, um unsere Rechte wiederzuerlangen. Die israelischen Soldaten besitzen nicht diese Stärke, trotz ihrer überwältigenden militärischen Überlegenheit: Der Wille ihr Volk zu befreien gibt den Widerstandskämpfern ihre Kraft, nicht die Waffen!

Silvia Cattori: Ihre Stärke ist also in der Anzahl der Menschen, die sich vor kurzem versammelt haben, um Hamas ihre Treue auszudrücken? Das gesamte Volk, das in diesem Ghetto eingeschlossen ist, verkörpert also den Widerstand!

Genau. In der Mehrheit widersteht unser Volk mit seiner Widerstandshaltung der Unterdrückung, die immer intensiver wird. Und das verstehen die israelischen Behörden nicht. Niemals werden sich die Palästinenser auf die Knie zwingen lassen, auch auf die Gefahr sterben zu müssen. Der Besatzer kann uns nicht verhindern für unser Überleben zu kämpfen. Sie können uns das Wasser abstellen, es verseuchen, uns nur Salzwasser lassen, unseren Kindern die Nahrung entziehen, wir werden jedoch nicht schwach werden.

Als Mensch haben wir keine andere Wahl als für unser Überleben zu kämpfen. Wir werden uns nicht ergeben und wir werden unseren Angreifern nicht erlauben, ihre inakzeptablen Ziele zu erreichen.

Die gesamte Bevölkerung von Gaza, außer den Kollaborateuren, hat seit zwei Jahren nur seinen Widerstand gezeigt. Sie ist bereit, für seine legitimen Rechte zu sterben.

Silvia Cattori: Waren Sie im Dezember 2007 über die Menschenmenge erstaunt, die die zwanzigjährige Existenz von Hamas feierte, obwohl Hamas nichts zu bieten hat? [4]

Ich war schon während der Konferenz von Annapolis über die immense Menschenmenge erstaunt, die sich versammelt hatte, um die Konferenz zu verurteilen und den Standpunkt von Hamas zu unterstützen. Aber als ich dann die 400 0000 Demonstranten bei der Feier für die zwanzigjährige Existenz der Hamas-Bewegung sah sagte ich mir, dass Hamas und seine Regierung, trotz Schwierigkeiten, nicht ihre Popularität verloren haben.

* Circa. Es gibt in Israel und in Palästina NGOs die finanziert werden um die Listen tagein, tagaus aufzustellen.

Silvia Cattori

Übersetzung aus dem Französischen: Monica Hostettler

Französische Fassung:
http://www.silviacattori.net/article363.html



[1Frau Leila Shahid, Vertreterin der Palästinensischen Autonomiebehörde bei der EU in Brüssel und Frau Hind Khoury, Generalabgeordnete Palästinas in Frankreich